Donnerstag, 08. September 2011

Jesus hat Sie lieb und Kündigungsgrund

Urteil des Landesarbeitsgerichtes Hamm vom 20.04.2011, Az: 4 Sa 2230/10: Der Kläger arbeitet bei der Beklagten als Call-Center-Agent. Er ist tief religiös und beendet nahezu jedes telefonische Kundengespräch mit der Verabschiedungsformel „Jesus hat Sie lieb, vielen Dank für Ihren Einkauf bei uns und einen schönen Tag“. Der Arbeitgeber beanstandete die verwendete Schlussformel. Daraufhin berief sich der Kläger auf seine religiöse Überzeugung. Der Arbeitgeber beendete daraufhin das Arbeitsverhältnis mit dem Kläger fristlos und hilfsweise fristgerecht. Dagegen wehrte dieser sich mit einer Kündigungsschutzklage. Er versuche lediglich, seinen arbeitsrechtlichen und seinen religiösen Verpflichtungen nachzukommen. Kundenbeschwerden habe es im Übrigen nicht gegeben. Das Arbeitsgericht Bochum hob die Kündigung auf. Die Kündigung sei unwirksam, weil die unternehmerische Freiheit des Arbeitgebers hinter die Glaubensfreiheit des Mitarbeiters zurückzutreten habe. Das LAG Hamm sah dies dagegen anders. Ein Arbeitnehmer, der sich darauf beruft, dass die Befolgung einer Arbeitsanweisung ihn in seiner Glaubensfreiheit beeinträchtige, müsse nachvollziehbar darlegen, dass er ohne innere Not nicht von einer aus seiner Sicht zwingenden Verhaltensregel absehen könne. Dies habe der Kläger im vorliegenden Fall nicht überzeugend getan.

Abgelegt unter: Arbeitsrecht